Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2026 als „International Year of the Woman Farmer“ ausgerufen. Damit rückt die zentrale Rolle von Frauen in der Landwirtschaft weltweit in den Fokus. Mit der Serie „Starke Frauen in Genossenschaften“ leisten wir einen Beitrag, die Leistungen von Frauen als Unternehmerinnen, Landwirtinnen oder Fachkräfte sichtbar zu machen und die nächste Generation für ein zukunftsstarkes Berufsfeld zu begeistern.
Wir beginnen mit Sabine Eidam (31 Jahre), die zeigt, wie Zukunft in der Agrargenossenschaft gelingt.
Porträts & Geschichten – Persönliche Wege von Landwirtinnen zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft
Sabine Eidam ist 31 Jahre alt – und eine von vielen engagierten Frauen, die aktuell die Landwirtschaft aktiv prägen und weiterentwickeln. Ihr Weg auf den Hof war nicht geradlinig, aber mit klarer Leidenschaft: Aufgewachsen im ländlichen Raum, geprägt durch zahlreiche Urlaube auf Bauernhöfen, formte sich früh ihr Wunsch, mit Tieren und der Natur zu arbeiten.
Nach dem Abitur startete sie als erste Auszubildende im Bereich Tierwirtschaft (Rinderhaltung) im Betrieb ihrer Heimatregion. Es folgte das Studium der Agrarwirtschaft an der HTW Dresden – und heute ist Sabine ein Vorbild für viele junge Frauen. „Wir haben inzwischen zahlreiche weibliche Auszubildende – vielleicht auch durch meinen Weg und den anstehenden Generationswechsel“, erzählt sie.
Drei Worte für ihre Arbeit: Arbeit mit Tieren in der Natur – Heimatgefühl – Management
Mutig, kompetent, sichtbar: Frauen stärken die Landwirtschaft
Benachteiligungen aufgrund ihres Geschlechts hat Sabine selbst kaum erlebt – weder im heimischen Umfeld noch während ihrer Auslandserfahrungen. Kritische Kommentare älterer Kollegen? „Die habe ich mit einem Lächeln genommen. Man wächst mit seinen Aufgaben.“
Ihre Empfehlung an junge Frauen, die in die Landwirtschaft einsteigen möchten: „Herzblut, Liebe zum Beruf und eine echte Verbindung zu den Tieren – das ist die Grundlage.“
Denn ja, die Arbeit kann hart sein. Aber mit der richtigen Einstellung und einem starken Netzwerk lässt sich viel erreichen.
Familie & Landwirtschaft – ein Balanceakt, der gelingen kann
Für Sabine funktioniert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor allem durch ein stabiles Umfeld:
· Unterstützung durch ihren Partner
· einen Arbeitgeber mit Blick auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden
· moderne Betriebsstrukturen
· das lokale Kitasystem
So schafft sie es, dass der Nachmittag ihrem Sohn gehört – und jedes zweite Wochenende der gesamten Familie.
Innovation beginnt im Stall – und in den Köpfen
Frauen bringen in Betrieben oft neue Impulse: Ruhe, Struktur, andere Blickwinkel. Für Sabine ist klar: „Ein Hof muss sich ständig neu erfinden und seine Betriebszweige flexibel gestalten.“ Ein Beispiel dafür ist das „Struppener Hofgeflüster“ – ein direkter Draht zu den Kundinnen und Kunden, der Nähe schafft und die Direktvermarktung stärkt.
Mit Sorge blickt sie allerdings auf aktuelle Entwicklungen in der Milchwirtschaft. Internationale Handelsabkommen wie Mercosur polarisieren. Zugleich vertraut Sabine darauf, dass Qualität, Regionalität und innovatives Arbeiten langfristig überzeugen: „Die deutsche Landwirtschaft hat Zukunft, wenn sie innovativ bleibt.“
Ein Blick nach vorn: Was Sabine sich für die nächsten fünf Jahre wünscht
Sabine formuliert klare Ziele für die Branche:
· Mehr Unabhängigkeit in der Preisgestaltung vom Lebensmitteleinzelhandel
· Stärkere politische Rückendeckung für Landwirtinnen und Landwirte
· Mehr Förderung für die landwirtschaftliche Ausbildung
Dass Ausbildung ein Erfolgsfaktor ist, zeigt ihr Betrieb deutlich: Alle Mitarbeitenden haben hier gelernt. Für Sabine steht fest: „Heimische Ausbildung ist ein Gewinn für jeden Betrieb.“
Fazit: Frauen gestalten Landwirtschaft – heute und morgen
Sabines Geschichte zeigt, wie modern, vielfältig und zukunftsorientiert Landwirtschaft sein kann – und wie bedeutend der Beitrag von Frauen in der Branche ist. Mit Leidenschaft, Mut und Innovationskraft gestalten sie Betriebe, Werte und die Agrarwelt von morgen.